| pozor! | ||||||||
| select! | ||||||||
| fightthepower! | ||||||||
|
|
||||||||
Eingangsrede FIGHT THE POWERBerlin,
Kurfürstendamm; 10. Juli 2004, 17 Uhr
Liebe
Freundinnen und Freunde, im
Namen des Partysan und des gesamten FIGHT THE POWER-Teams: Herzlich
willkommen in Berlin! Herzlich
willkommen auf dem Ku’damm! Herzlich
willkommen zu FIGHT THE POWER! Wir
gehen heute gemeinsam mit Euch über den Ku’damm um zu zeigen: Wir
wollen eine Zukunft für die Loveparade in Berlin, aber auch Schluß
machen mit der öffentlichen Missachtung der Clubkultur! Und
deshalb ziehen wir heute über den Kurfürstendamm, wo vor vielen Jahren
alles begann. 1989,
vier Monate vor Mauerfall, versammelte sich DJ Dr. Motte mit
Gleichgesinnten aus der Szene auf dem West Berliner Kurfürstendamm zu
einer "House-Musik-Demonstration" für Toleranz, Respekt und
Verständigung zwischen den Nationen. Heute,
15 Jahre später, gibt es keine Loveparade. Heute, 15 Jahre später,
reiben sich diejenigen vor Freude die Hände, die schon seit 15 Jahren
behaupten, dass Techno tot ist. Und
heute, 15 Jahre später, stehen wir hier am Kurfürstendamm, um den Beweis
anzutreten: Techno lebt! Liebe
Freundinnen und Freunde, warum machen wir das alles eigentlich? Weil
wir gemerkt haben, dass die Absage der Loveparade zwar noch einmal ein
Aufbäumen verursachte – allerdings ohne Erfolg. Warum,
haben wir uns gefragt. Warum kommen Jahr für Jahr hunderttausende nach
Berlin zu dieser Parade und warum klappt es diesmal nicht? Die
Antwort ist ganz einfach! Es gibt so viele, die nicht im geringsten
verstehen, was die Loveparade bedeutet. Den
einen ist sie zu kommerziell. Die anderen nennen sie „Spaßveranstaltung“
und „Spaßveranstaltung“ gebrauchen sie als Schimpfwort. Nur für
eines interessieren sie sich nicht: Sie interessieren sich nicht dafür,
was die Loveparade für uns
bedeutet! Liebe
Freundinnen und Freunde – heute haben wir das Wort! Heute
zeigen wir allen hier in Berlin, wer wir sind! Wir
lassen uns das Feiern nicht verbieten! Und
wir werden zeigen, dass die Loveparade nur eine Heimat hat – nämlich
Berlin. Und dass die Clubkultur nur eine Hauptstadt hat – nämlich
Berlin. Im
Laufe der letzten Jahre haben sich viele so sehr an die Loveparade gewöhnt,
dass sie vergessen haben: Da
muß doch etwas besonderes sein, wenn hunderttausende aus allen Teilen
Deutschlands, Europas und der Welt Anfang Juli nach Berlin kommen! Da
muß doch etwas spezielles sein, wenn jeder DJ mitsamt Label – sobald er
Erfolg hat – die Koffer packt und sein Büro in Berlin aufmacht! Da
muß doch etwas sein, wenn sich große Teile der Clubkultur daran
orientieren, was in Berlin passiert... Da
muß doch etwas sein, wenn es die Loveparade nicht nur in Berlin, sondern
auch in Israel, Österreich, Mexico, den USA und Südafrika gibt. Liebe
Freundinnen und Freunde! Berlin muß eins verstehen: Es ist die Freiheit
dieser Stadt, die uns alle so magisch anzieht. Und Berlin sollte darauf
stolz sein! Denn darin ist Berlin konkurrenzlos. Clubbetreiber,
Labelbesitzer, Rave-Touristen, Szeneaktivisten. DJs, junge Journalisten.
Sie alle kommen jedes Jahr am Loveparade-Weekend nach Berlin. Und
immer wieder zeigt sich: Ihnen allen begegnet man mit Ignoranz. Man holt
Vorurteile hervor, die seit vielen Jahren gepflegt werden: Alles was mit
Techno zu tun hat, ist schmutzig und unpolitisch – so steht es in den
Zeitungen. Heute
halten wir dagegen: Wir sind politisch! Und nicht nur das. Wir sind sogar
diejenigen, die genau dem entsprechen, was die Politik täglich fordert: Clubbetreiber
und Veranstalter warten nicht auf staatliche Förder-Programme – sie eröffnen
Clubs, Labels, Internet-Portale und
Szenemagazine. Clubbetreiber haben Erfolg und schaffen Arbeitsplätze. Clubbetreiber
und Veranstalter bilden aus! Und zwar nicht in Berufen, die keiner mehr
braucht! Sie schaffen die Berufe der Zukunft, die vor kurzem noch in
keinem IHK-Ausbildungsplan standen: Eventmanager, Webdesigner,
Kulturmanager, Künstlerbetreuer. Die
Clubszene ist ein moderner Wirtschaftszweig, der Arbeitsplätze schafft
und für Steuereinnahmen sorgt. Und,
liebe Freundinnen und Freunde, die Clubszene und die Raving Community –
wir verlangen heute eins: Fairneß und Respekt für das, was wir tun. Hört
auf, uns mit Vorschriften zu bombardieren! Liebe
Politiker, Hört
auf, uns vorzuwerfen, dass wir unser Leben genießen wollen! Wir
arbeiten von Montag bis Freitag für Eure Renten und Pensionen – aber
was wir am Wochenende machen, das ist unser Bier! Und
einmal im Jahr, einmal, am zweiten Samstag im Juli, an einem Tag im Jahr,
am Tag der Loveparade, liebe Freundinnen und Freunde, an diesem Tag gehört
die Straße uns! Liebe
Freundinnen und Freunde, wir fragen die Verantwortlichen dieser Stadt: Wann
begreift Berlin, dass hier jedes Jahr zur Loveparade der weltweit
wichtigste Event einer weltweit verbreiteten Kultur stattfindet? Wann
begreift Berlin, dass es nicht nur um eine Parade geht, sondern um einen
riesigen Kongreß all derer, die mit dieser Kultur zu tun haben? Und
wir warnen: Diesen Kongreß, dieses Happening, diese Zusammenkunft wird es
ohne Loveparade nicht mehr lange geben. Die
Loveparade ist in der Clubkultur nicht mehr oder weniger als ein
Leuchtturm, der alle nach Berlin führt. Und
ohne diesen Leuchtturm wird Berlin einen der wenigen Bereiche verlieren,
in dem sich Berlin zurecht als Hauptstadt und als Nummer Eins fühlen
darf. Deshalb
fordern wir heute:
Liebe
Freundinnen und Freunde, nehmt
die Missachtung, mit der man uns gegenübertritt, nicht auf die leichte
Schulter! Niemand
will uns unsere Art zu leben verbieten! Aber viele wollen es uns schwer
machen, so zu leben, wie wir leben! Lasst
Euch das nicht gefallen! Es
geht um unsere Freiheit! Und
die Politiker hier in Berlin und anderswo sollen heute und bei den nächsten
Wahlen spüren: Auch Raver haben eine Stimme! Liebe
Freundinnen und Freunde, es gibt Leute, die demonstrieren für die
Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben. Schaut euch um – bei uns
sind Schwule und Lesben schon lange zu Hause! Es
gibt Leute, die demonstrieren gegen Gewalt! In unseren Clubs gibt es keine
Gewalt! Es
gibt Leute, die demonstrieren für Völkerverständigung! Bei der
Loveparade treffen sich – wie hier und heute – Menschen aus allen Ländern
dieser Welt, um gemeinsam zu feiern. Wir
zeigen das Jahr für Jahr. Wir demonstrieren das Jahr für Jahr. Unsere
Sprache ist der Tanz! Und
deshalb, liebe Freundinnen und Freunde, wenn wir gleich über den
Ku’damm ziehen, zeigt es allen: Wir
sind bunt, wir sind friedlich, wir sind tolerant, wir lieben unsere Musik
und: Niemand
tanzt so geil wie wir!
|
||||||||
| ecstaticbrainaesthetics! | ||||||||
|
|
||||||||
|
2004ãpozor! |
|