|
|
|
|
|
Der Pfurz, die Ehe, die Welt und der Professor
Ah. Ein
Pfurz in der Wanne. Darf man das oder darf man das nicht? Genauer: Da es
jedem mal so passiert... Muss man es unterdrücken oder nicht? Wenn man
alleine ist? Oder zu zweit in der Wanne? Oder der andere am Waschbecken
steht? Stinkt es? Ich rieche nichts. Manchmal ist es lustig. Die
Zeitverzögerung. Eine große Blase und zwei kleine. Oder eine Kette von
kleinen Blasen. Ich lasse mich gehen. Oder doch nicht wirklich. Alleine muss
man es wirklich nicht unterdrücken. Es könnte aber leichter zu zweit
passieren, wenn man es sich nicht zur Gewohnheit macht, es zu unterdrücken.
Das könnte Verwerfungen geben. Eine glückliche Ehe verhindern. Den sofortigen
Ausstieg provozieren, mit spritzendem Wasser und einem auf den Badboden
geworfenen Handtuch samt knallender Tür. Oder der lachende Anfang einer
glücklichen Ehe sein. Ein Wannenlachkrampf mit Gummientenschlacht. Ein Pfurz!
Oder man fragt höflich: „Darf ich pupsen?“ Die Frage ist aber schon
unhöflich. Auch wenn sie gut gemeint ist. Was soll man da antworten? „Na gut,
wenn’s nicht stinkt!“ Oder: „Ok, aber nur mit kleinen Blasen.“ Erleichterung.
Noch ist nichts passiert. Aber ich muss zu einem Statement kommen. Einen
Standpunkt finden. Im Liegen. Ich sollte zur Arbeit gehen und mich mit etwas
anderem beschäftigen. Das wäre aber wie Arbeit liegen lassen. Es muss eine Lösung geben. Jeder müsste Rat wissen,
denn jeder hat schon darüber nachgedacht. Aber niemand spricht darüber. Was
ist mit den Medien? Warum ist heute Frauentag und nicht Tag des Pfurzes.
Warum müssen wir an jedem 8. März über Frauen nachdenken und nie über den
Pfurz in der Wanne? Es gibt sogar den „Tag der Sowjetarmee“, am 23. Februar.
Ich will nicht über die ruhmreiche Sowjetarmee nachdenken, sondern etwas über
Pfürze im soziologischen Kontext lernen. Wo ist nano? Die
Wissenschaftsredaktion von 3sat soll mir mit der geballten fachjournalistischen
Macht aus drei Ländern das Denken abnehmen und die ARD-Ratgeberredaktion eine
Entscheidungshilfe bieten. Ich will aber keine Nabelschau. Der Weltspiegel
soll sich einschalten. Wie geht man in Japan damit um und wie in Bolivien?
Gibt es dort Wannen? Liegt das Problem vielleicht in einer Schicht weit
dahinter? Die Ernährung? Wo ist der Darmwind verbreitet? Wissenschaftliches
Arbeiten, ja, das ist es. Die Extremfall/Normalfall-Methode von Professor
Haft! Länder mit Darmwind provozierender Ernährung und hoher Badewannendichte
im Vergleich mit Ländern mit Darmwind ausschließender Ernährung ohne
Badewannenkultur im soziologischen Kreuzvergleich. Welches Land hat eine
durchschnittliche Mischernährung in dieser Hinsicht bei nicht auffälliger
Wannen-Dusch-Verteilung? Grundlagenforschung. Ist der Pfurz ein
schichtspezifisches Phänomen? Ein geschlechterspezifisches? Sind Frauen genau
so davon betroffen oder gehen sie nur anders damit um? Was sagt die
Evolutionsbiologie und was die Tiefenpsychologie? Was die Medizin? Welche
Konsequenzen hat die Temperatur des Badewassers? Liegt hier eine praktische,
weil einfache Lösung? Wer weiß so umfassend und disziplinübergreifend Rat?
Nur Professor Hademar Bankhofer. Bankhofer weiß immer Rat. Bankhofer kann zu
jeder Pflanze dieser Welt aus dem Stegreif eine Nährstoffinhaltstabelle
aufsagen, um im direkten Anschluss erschöpfend Auskunft zu mietrechtlichen
Problemen zu geben und das mit der Souveränität eines Bundesrichters aus dem
Mietrechtssenat des BGH. Lange dachte ich, Bankhofer habe einen gar
wundersamen Kopf. Dass seine Worte aus der unermüdlichen Arbeit einer Schar
unbekannter Redakteure entstehen ist eine völlig uncharmante Erklärung, die
ich von mir weise. Ich verliebe mich in die durch beobachtende
Statistikbildung erlangte Theorie, dass sich in Professor Bankhofers Halstuch
alles Wissen dieser Welt verbirgt. Sein Halstuch ist das Schwert Excalibur,
mit dem er alle gordischen Knoten durchschlägt, tapfer auf dem Weg in den
heiligen Gral. Hademar, ich folge Dir! Wenn ich mich abgetrocknet habe.
|
|
|