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Der kluge Hauptmann „Wenn Sie eine Freundin haben – wundern Sie sich nicht,
wenn Sie die in ein paar Wochen los sind!“ Das sagte vor versammelter
Mannschaft unser Kompaniechef, da waren wir Jungs gerade erst ein paar Tage
beim Bund. Der Satz ging bei mir wie bei meinen Kameraden zum einen Ohr rein
und zum anderen wieder raus. Irgendwie schien sich das Statement aber doch
bei uns eingefressen zu haben, denn am Abend war es Top-Thema auf unserer
Stube. Fast alle hatten eine Freundin – ich vielleicht seit zwei Wochen – und
alle die eine hatten, beteuerten, dass ihr
Mädchen schon treu und bei der Stange bleiben werde. Bei mir dauerte es gute drei Monate, bis es soweit war.
Ich hatte das nahezu komplette Faschings-Wochenende Bereitschaftsdienst und
konnte erst am Faschingsdienstag in das Party-Geschehen eingreifen. Meine
Freundin hatte mich in die Tanzschuldisco bestellt. Da traf sich die Szene
meiner schillernden Heimatstadt Würzburg, die Szene zwischen 14 und 19. Ab
und zu schauten auch mal ein paar Twens vorbei und adelten damit die
Veranstaltung. Ich brauchte sicher zwei Stunden, bis ich sie fand. Zu meiner
Überraschung deutete sie an, nicht weiterfeiern, sondern mit zu mir kommen zu
wollen. Ich hatte seit kurzem eine eigene Wohnung, 1 Zimmer, Hinterhof, aber
für mich alleine. Das hatten meine Freunde samt und sonders noch nicht. Ich
freute mich. Schon nach 100 Metern an der frischen Luft sah ich
Tränchen über ihre Wangen kullern und aus ihrem Mund kam der Satz: „Ich muss
Dir was sagen, es ist was passiert.“ Gefeiert habe sie so viel und jemanden
kennen gelernt und es sei eben was passiert. Der Typ war mir bekannt.
Türsteher in Würzburgs bester Disco, eigentlich dem einzigen Laden dort, der
sich Club nennen durfte. Sehr cool. Er dagegen sah aus wie Donald Duck. Sein
Mund jedenfalls machte das aus, in Kombination mit einer simpsonartigen
Frisur. Nur die Simpsons gab’s damals noch nicht. „Nein, wir haben uns nur geküsst...“ war die Antwort auf
die übliche Frage und wahrscheinlich gelogen und wahrscheinlich auch nicht
mehr sooo wichtig, denn das Verdikt „Es ist ernst.“
folgte. Wahrscheinlich war es einfach ungünstig, dass ich in den
letzten Monaten – wenn ich überhaupt am Wochenende nach Hause kam – Freitag
abends meiner Süßen drei bis vier Stunden Geschichten vom Huren-Barras oder
sogar vom Drecks-Huren-Barras, von Formalausbildung, Märschen und
Unteroffizieren erzählt hatte, die den Befehl „Stillgestanden!“ noch mit der
Kommentierung „Da rührt sich kein Sackhaar, auch wenn der ganze Himmel voller
Votzen hängt!“ ergänzten. Im Anschluss an meinen
unerwünschten Wochenreport gab ich ihr soviel und so guten Sex, wie das
jemand mit 19 kann, um sofort im Anschluss in einen mindestens 12 Stunden
andauernden Tiefschlaf zu fallen. Samstags hatte ich mich regelmäßig gegen Abend
normalisiert und zivilisiert. Doch schon der Sonntag war durch negative Vibes meinerseits geprägt. Der nahende Dienstbeginn, die
Abreisevorbereitungen, die verrinnende Zeit, das Bild der Kaserne im
Novembernebel – all das machten mich zu einem unerträglichen Begleiter. Meine Freundin war damals 17 und begann das Nachtleben
kennen zu lernen. Sie wollte leben. Das mit ihr und mir konnte so nicht gut
gehen. Da hatte mein Kompaniechef schon Recht. Jetzt, genau 20 Jahre danach,
sehe ich das nicht anders. Damals litt ich wie ein Hund. Mein Glück war, dass
ihr Neuer neben seinem Doorkeeper-Job Zeitsoldat
war. So ging sie vom Regen in die Traufe. Und wieder zum Regen zurück. Denn
bei mir zog die Sonne nach 15 Monaten Wehrdienst wieder auf. Bei ihm erst nach
vier Jahren. © 2005 pozor!
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Hauptmann |
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2004ãpozor! |
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